… denn sie hatten keinen Raum in der Herberge

Ich kann nicht genau sagen, warum sich ausgerechnet dieser Teilsatz aus der Weihnachtsgeschichte, die uns Lukas erzählt, schon von Kindheit an tief in mein Gedächtnis geprägt hat. Eigentlich ist es eher eine Randnotiz. Wer hätte gedacht, dass diese kleine Bemerkung über 2000 Jahre später noch einmal eine ganz eigene Bedeutung bekommt.

Maria und Joseph hatten sich die Zeit der Schwangerschaft bestimmt anders vorgestellt. Aber von höchster Stelle kommt der Befehl, dem sich niemand widersetzen kann: Volkszählung! Bitte jeder zum Einwohnermeldeamt in seiner Heimatstadt.

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Der Kaiser hat die Macht. Die Menschen müssen gehorchen, egal, wie es ihnen geht. Und so machen sich auch die werdenden Eltern auf den Weg. Unfreiwillig, vielleicht mit der Faust in der Tasche. Plötzlich ist alles anders als erwartet.

Aber die beschwerliche Reise ist nicht das einzige Problem.

Bei der Ankunft in Bethlehem sind bereits alle Unterkünfte ausgebucht. Das Reservierungssystem ist längst zusammengebrochen. Nur ein Platz im Stall ist noch zu haben.

Die Wochen vor der Geburt Jesu waren eine ziemlich verrückte Zeit. Nichts lief nach Plan. Maria und Joseph mussten ständig improvisieren, Gerade war eine Hürde genommen, zwangen die nächsten Fakten sie zu wieder neuen Entscheidungen. „Flexibel sein“ hieß die Devise.

Für die meisten von uns ist diese vorweihnachtliche Zeit ähnlich herausfordernd.

Entscheidungen der Politik geben in diesen Corona-Tagen die Rahmenbedingungen vor, unter denen wir Weihnachten feiern dürfen. Oft ändern sich kurzfristig einzelne Bestimmungen. Kaum haben wir für eine Herausforderung eine Lösung gefunden, gibt es Neues zu beachten.

In unseren Kirchen und Gemeindehäusern können wir nicht wie gewohnt unsere Weihnachtsgottesdienste feiern. Da ist plötzlich kein Raum mehr in der Herberge. Wie Maria und Joseph finden wir das meistens nicht lustig, sondern eher mühsam und anstrengend. Das könnte die Weihnachtsfreude schon im Keim ersticken.

Und dann geschieht das fast Unglaubliche: Mitten hinein in dieses ganze Chaos schickt Gott einfach seinen Sohn. Ein gesundes Kind kommt zur Welt. Gott schert sich nicht um Verordnungen und überfüllte Gästehäuser, er tut einfach, was er für wichtig hält.

Er lässt Weihnachten werden. Ein stärkeres Hoffnungssignal kann es kaum geben. Es gibt eine Zukunft, wo sie keiner erwartet hat. Maria und Joseph machen die Erfahrung: Unser Gott ist da. Er hat sich nicht zurückgezogen.

Auch wenn in diesen Tagen für viele von uns das Gewohnte durcheinandergerät, dürfen wir wissen: Gott verändert sich nicht. Er ist auch heute da. Selbst wenn noch so viel Unsicherheit herrscht, wie sich die Dinge weiter entwickeln werden, Gott stellt sich an unsere Seite.

Weihnachten ist das größte Hoffnungszeichen. Die Geburt Jesu mitten hinein in diese chaotische Welt macht sichtbar: Auch für uns gibt es eine Zukunft. Die ist nicht abhängig von unseren Wünschen und Befindlichkeiten, auch nicht von unseren Ängsten und Sorgen, sondern von Gottes guten Gedanken mit uns Menschen.

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Mit adventlichen Grüßen

Hartmut Hunsmann